La Planée - im Lauf der Jahrhunderte

 

Vermutlich diente das Anwesen La Planée von Mitte des 19. bis Mitte des 20. Jahrhunderts, also über hundert Jahre lang als Sägerei und Bürstenmacherei, sozusagen als die Grundlage zum Broterwerb vieler Familien. Dabei wurde das ursprüngliche Gebäude mehrmals mit einem Anbau erweitert.

Nach dem zweiten Weltkrieg diente es einige Jahrzehnte als „Colonie de vacance“, es war also auch ein Ferienzentrum für Kinder während der großen Ferien. Über 60 Waisenkinder und behinderte Kinder verbrachten hier ihre Ferien, die ersten 4 Wochen die Jungs, danach die Mädchen. Die Mitarbeiter wohnten im Haus gegenüber, wo jetzt die Familie Blanc wohnt und ihren Laden betreibt. Geleitet wurde die „Colonie“ von M. und Mme. Pirozzi, die zu der Zeit mit ihrer Familie auch im Haus wohnten. Mme. Pirozzi wohnt heute noch in einer gegenüberliegenden Wohnung. Bis heute ist deshalb unser Anwesen in La Planée bei der Bevölkerung die „Colonie“.

Als in den 80er Jahren verlangte Sicherheitsauflagen nicht mehr bezahlt werden konnten, wurde die „Colonie“ geschlossen und stand viele Jahre leer. Zeitweise machten Soldaten dort „Soldatenfreizeiten“. Auch als eine Familie gegen Ende der 80er Jahre das gesamte Anwesen kaufte, wurde das Haus nicht bewohnt, sondern nur punktuell repariert. Erst als der Verein der Freunde und Förderer des Evang. Jugendwerks Bezirk Heidenheim im Jahr 2000 Gelände und Gebäude kauften, kam wieder Leben in die Bude, wenn auch nur in der „warmen“ Jahreszeit. Viele ehrenamtliche Helferinnen und Helfer sorgten binnen weniger Jahre dafür, dass aus dem heruntergekommenen Anwesen ein „komfortabler“ Ort für Sommerfreizeiten wurde.

La Planée - von Christen gegründet

Nach der Reformation gab es eine Bewegung besonders frommer Leute, die sich Anabaptisten nannten, was soviel wie „Wiedertäufer“ bedeutete. Neben der Wiedertaufe lehnten sie Gewalt rigoros ab und waren somit auch konsequente Kriegsdienstverweigerer. Das war aber damals undenkbar, ein grober Verstoß gegen das königliche Gesetz, was dazu führte, dass die Anabaptisten im (bis heute) erzkatholischen Frankreich verboten wurden. Für die Anabaptisten gab es also nur die Möglichkeit, nach Amerika auszuwandern oder – sich an den Grafen von Salm zu wenden. Dieser nämlich herrschte noch über ein kleines Reich inmitten Frankreichs, der Region der heutigen Departements Vosges und Meurthe-et-Moselle. Bei Ausflügen in der näheren Umgebung La Planées stößt man immer wieder auf seine Spuren, z.B. die Ruine des Chateau de Salm bei Pierre-Percé, ca. 5 km westlich von La Planée. Dieser Mann nämlich war den Anabaptisten gnädig gesonnen und gab ihnen Bleiberecht unter der Bedingung, dass sie sein Land urbar und fruchtbar machten.

So entstand vermutlich im 19. Jahrhundert La Planée. Eine Familie der Anabaptisten rodete den Wald, schaffte also diese herrliche Lichtung, und gründete einen holzverarbeitenden Betrieb, die Sägerei und Bürstenmacherei.

Eine Nachkommin des Gründers lebt noch in La Planée, Madame Pirozzi, die heute noch Anabaptistin ist und bis vor einigen Jahren auch einen Bibelvers über ihrer Haustür stehen hatte: „Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.“ (Hebr.13,14)

La Planée - wie wir zu diesem Gelände kamen

Seit vielen Jahrzehnten schon veranstaltet das Evang. Jugendwerk in Heidenheim Sommerfreizeiten für Kinder und Jugendliche. Ein sehr beliebter Ort wart in den 70er und 80er Jahren ein Zeltplatz am Ledrosee in Norditalien. Dieser Platz war jedoch nicht unser Eigentum, sondern jährlich sehr günstig angemietet. Durch verschiedene Umstände war die Nutzung gegen Ende der 80er Jahre nicht mehr möglich. Man machte sich auf eine langjährige Suche nach einem neuen Standort. Freizeiten fanden am Idro-See und später am Iseo-See statt; schon investierte man dort, bis sich abermals herausstellte, dass ein ordentlicher Freizeitbetrieb auch dort nicht mehr möglich war.

Verschiedene Grundstücke in Norditalien wurden wegen eines evtl. Erwerbs begutachtet, aber es war kein geeignetes dabei.

So kam es, dass sich die verantwortlichen Mitarbeiter und Leiter von Italien verabschiedeten. Als eines Tages ein deutscher, aber in Frankreich sesshafter, Immobilienmakler in einer deutschen Zeitung günstige Bauernhöfe in Lothringen annoncierte, informierte man sich einfach einmal. Eine Delegation war deshalb im Herbst 1999 2 Tage lang mit diesem Makler (der fließend schwäbisch sprach) unterwegs und schaute sich mehrere Objekte an. Eins davon war dann unser heutiges „La Planée“.

Bis zum Kauf gab es jedoch noch einen langen und teilweise auch steinigen Weg. Ist es das Richtige? Werden Jugendliche diesen verlassenen Winkel in der „Pampa“ überhaupt annehmen? Suchen sie nicht eher Sonne, Meer und Strand etc? Gibt es überhaupt in der Umgebung attraktive Unternehmungsmöglichkeiten? Schaffen wir es, das alles zu renovieren, sind Leute da, die sich dafür bereit erklären?

Wie kämen wir mit den Sprachbarrieren zurecht? Und so weiter...

Aufgrund vieler Bedenken kam es schließlich zu einer Abstimmung, die im Jahr 2000 mit knapper Mehrheit zu einem Kauf des Anwesens führte.

In den folgenden Jahren, bis heute, wurden sämtliche Bedenken nichtig. Vom ersten Tag an sind Jugendliche und Erwachsenen von La Planée begeistert. Die Freizeiten sind ausgebucht, Abschnitte können weitervermietet werden, unzählige Helfer sorgten für einen Wiederaufbau, und in der ländlichen Umgebung gibt es Abenteuer und Outdoor-Activity ohne Ende. Ein Höhepunkt ist dabei für jede Freizeit der Hochseilgarten „Aventure Parc“ unweit von La Planée.

Für uns ist diese Entwicklung und noch viele, viele weitere Überraschungen eine deutliche Bestätigung dafür, dass Gott von Anfang an dieses Gelände für uns wollte und er seinen Segen dazu gibt.